Vorbörslicher Handel für Privatanleger

Wertpapiere werden üblicher Weise an den Börsen im regulierten Markt oder im Open Market notiert. Der Handel mit Wertpapieren wird über Banken und Börsen abgewickelt. Im In- und Ausland erfolgt darüber hinaus - auch bei der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank SE - ein reger Telefonhandel in Aktien, Optionsscheinen, Anleihen und anderen Wertpapieren außerhalb der Börsen. So betreibt die SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank SE den vorbörslichen Handel per Erscheinen in Aktien-Neuemissionen, auch Pre-IPO-Handel genannt.

Pre-IPO-Handel als Alternative zur Erstzeichnung

Privatanleger, die am Handel per Erscheinen teilnehmen möchten, wenden sich an ihre Bank. Diese vereinbart dann telefonisch mit der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank SE das vorbörsliche Handelsgeschäft. Im Unterschied zu einem Zeichnungsauftrag handelt es sich hier um ein bedingtes Termingeschäft, dessen Erfüllung mit dem Tag der Erstnotierung der Aktie eintritt. Eine Ausnahme davon gilt nur, sofern eine auflösende Bedingung - siehe Sonderbedingunen und Ergänzungen für den Pre-IPO-Handel - wirksam wird. In Zukunft wird dieser Handel mit ausgewählten Banken auch über das Internet möglich sein, über SCHNIGGE Guarantee Trading.

Die Kenntnis der Bedingungen für den Pre-IPO-Handel ist nicht nur für professionelle Händler, sondern auch für Privatanleger wichtig. Möchten Sie die Sonderbedingungen und Ergänzungen zum Pre-IPO-Handel einsehen, dann klicken Sie bitte hier.

Sind Sie Unternehmer und erwägen den Gang an die Börse, dann finden Sie hier eine erste Erläuterung: Corporate Finance

Preise im Handel per Erscheinen

Die Preise im Handel per Erscheinen veröffentlichen wir im Internet auf unserer Homepage, in der Wirtschaftspresse und in folgenden Nachrichtendiensten:

  1. Internet: www.schnigge.de
  2. Reuters unter <SCHNIGGE01>

Pre-IPO-Handel als Indikator

Der Käufer, der nicht auf die äußerst ungewisse Zuteilung aus Zeichnung warten will, kann sofort zum aktuellen Marktpreis kaufen. Der Verkäufer, der vermutet, die spätere offizielle Notiz könnte niedriger liegen, kann bereits Gewinne gegen Altbestand oder Zuteilung festschreiben. Der Emissionsführer kann auf Grund der Handelstätigkeit im Handel per Erscheinen das Interesse des Marktes an der Neuemission messen.

Oft geht bereits im vorbörslichen Handel nicht platzierte Ware von "schwachen in stärkere Hände" über. Teilweise konnten wir im vorbörslichen Handel 10 bis 20 % des Emissionsvolumens umsetzen. Durch Verkaufsdruck werden nicht endgültig platzierte Stücke bereits vor der ersten offiziellen Notierung vom Markt aufgesogen, so dass die Erstnotiz für den Konsortialführer einfacher durchzuführen ist.

Gesichtspunkte des Pre-IPO-Handels für Privatanleger

In den letzten Jahren nimmt das Interesse der Privatanleger am Aktienhandel und damit auch am Telefonverkehr zu. Dazu haben auch intensive Werbekampagnen wie z. B. von der Deutschen Telekom wesentlich beigetragen.

Jedoch gestattet nicht jede Bank ihren Kunden, am vorbörslichen Handel teilzunehmen, z.B. wegen Einstufung in einer zu geringen Risikoklasse. Hier hilft oft das nachdrückliche Beharren des Bankkunden, es kann aber auch ein Bankwechsel sinnvoll sein. Allerdings ist es durchaus verständlich, wenn Banken die Aufträge an Mindestgrößen oder besser an Mindestgebühren binden, denn der Händler der Bank muss tätig werden und zumindest zum Telefon greifen. Eine etwaige Abrechnung muss u. U. manuell erstellt werden, da diese noch nicht über die Computersysteme der Bank automatisiert abgewickelt werden kann.

Eine Limitierung der Aufträge durch den Kunden ist generell möglich, sollte aber auch an ein Minimum von 100 Aktien oder an ein Volumen von Euro 5.000,- gebunden sein.

Sämtliche größeren Banken nehmen regelmäßig am vorbörslichen Handel teil.

Start des Pre-IPO-Handels

Wir beginnen den vorbörslichen Handel erst dann, wenn die Bookbuilding-Spanne bzw. ein Festpreis festgelegt ist. In Gesprächen mit Marktteilnehmern bilden wir uns dann eine erste Meinung zur Neuemission. Darauf geben wir die erste Taxe bekannt.

Der Markt bzw. die Marktteilnehmer können darauf mit entsprechenden Kauf- oder Verkaufsaufträgen reagieren, so dass sich meist innerhalb kurzer Zeit (10 - 30 Minuten) ein handelbarer Preis ergibt, den wir über die o.g. Informationssysteme bekannt geben.

Ob der erste Preis zu günstig oder zu teuer war, wissen auch wir nur nachträglich.

Erfreulicherweise können wir feststellen, dass die Erstnotiz der von uns gehandelten Neuemissionen zu ca. 80 % innerhalb unserer letzten Handelsspanne lag. Dies zeigt auf, dass der vorbörsliche Handel eine interessante und vor allem aussagefähige Handelsplattform darstellt. Titel, die im -Handel per Erscheinen- keine Interessenten finden, werden auch nach der Börseneinführung kaum auf größere Kaufbereitschaft treffen.

Wir freuen uns über jeden Marktteilnehmer, denn je mehr Aufträge vorliegen, desto enger wird die Preisspanne.

Bei uns findet grundsätzlich keine Beratung statt, da wir weder über die nötigen Research-Unterlagen verfügen, noch in direkte Kundenbeziehung treten wollen. Wir verhalten uns neutral zwischen Käufern und Verkäufern und versuchen, den größtmöglichen Umsatz zu vermitteln. Das ist die Aufgabe des Maklers.

"Woher nehmen sie die Ware?"

lautet oft die Frage der Käufer. Oft gibt es Altaktionäre, die sich auch vorbörslich zu interessanten Kursen von Ihrem Besitz trennen. Auch haben ausländische Banken Festzusagen über eine gewisse Aktienanzahl, die sie gerne schon vorbörslich mit entsprechender Marge verkaufen. Oder der Händler einer Bank verkauft die Aktien in der Hoffnung, sie später zu einem günstigeren Preis zurückkaufen zu können. Zu Schwierigkeiten bei der Abwicklung der Handelsgeschäfte per Erscheinen ist es bisher nicht gekommen.

Sollten Sie als Privatanleger an diesem risiko- und chancenreichen Handel teilnehmen wollen, beauftragen Sie bitte Ihre Bank, Ihren Auftrag für die gewünschte Emission bei uns zu plazieren. Gegebenenfalls muss die Bankfiliale den Auftrag an ihre Zentrale weiterleiten, da wir nur mit Börsenmitgliedern handeln dürfen.

Abschließend möchten wir feststellen, dass die meisten Marktteilnehmer mit ihren Aufträgen ihre Ziele erreicht haben, d. h. die Verkäufer ihre Marge gesichert und die Käufer zu einem günstigen Kurs die Ware erworben haben. Ausgehend von diesen Erfahrungen darf man wohl mit Recht behaupten, dass der vorbörsliche Handel eine chancen- und aber auch durchaus risikoreiche Möglichkeit darstellt, Neuemissionen vor dem ersten offiziellen Handelstag zu erwerben oder zu verkaufen.

Diese Ausarbeitung soll dem Privatanleger einen Überblick geben. Mit einer Weitergabe oder anderweitigen Veröffentlichung dieser Information sind wir unter Quellenangabe einverstanden.