Rede zur HV 2009

(Es gilt das gesprochene Wort.)

 

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Aktionärinnen und Aktionäre sowie Vertreter der Presse und Aktionärsgruppen,

ich begrüße Sie recht herzlich zur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG.

Zum Ende der letztjährigen Hauptversammlung zog sich der Himmel zu, es begann zu gewittern und kräftig zu regnen. Es wäre sicherlich vermessen von einem Fingerzeig zu sprechen, aber so ganz können wir uns einen kleinen Hinweis auf die Gleichläufigkeit der damaligen äußeren Umstände mit dem Jahr 2008 für die SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG nicht verkneifen. Sicherlich - bereits zu unserer letzten Hautversammlung haben wir das Thema Finanzkrise angesprochen – doch dass die Lage sich im weiteren Jahresverlauf so dramatisch zuspitzen würde, damit haben wohl nur wenige Marktteilnehmer gerechnet. Allein anhand des DAX Standes lässt sich plakativ vor Augen führen, wie schwierig das Jahr 2008 verlaufen ist. Noch am Tag der Hauptversammlung, dem 29. Mai 2008, notierte der DAX bei 7.055 Punkten – um dann bis zum Jahresende auf 4.810 Punkte einzubrechen. Dabei ist sogar noch positiv zu vermerken, dass das zwischenzeitliche Jahrestief mit knapp 4.000 Punkten weitaus niedriger lag. 

Mehrere amerikanische Großbanken entgingen knapp der Insolvenz, das Traditionsbankhaus Lehman Brothers dagegen schaffte es nicht und riss eine große Anzahl weiterer internationaler Banken in einen Krisenstrudel, der zum Zusammenbruch des isländischen Banksystems aber auch zu massiven Problemen in der deutschen Kreditwirtschaft führte. Nur die konzertierte Zusammenarbeit von Notenbanken und Regierungen verschaffte den Banken dringend benötigte Liquidität und erhielt das System lebensfähig. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und den damit verbundenen negativen Folgen für die Bankindustrie aber auch für die Wirtschaftsleistung der Industrieländer wollten die Regierungsverantwortlichen eine Wiederholung und damit das durchaus realistische Szenario eines kompletten Zusammenbruchs der Finanzwelt mit allen notwendigen Mitteln verhindern.

Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist die Frage der Bewertung der Wichtigkeit einzelner Banken im Zusammenspiel der Märkte. Das Wort der „Systemrelevanz“ machte die Runde und wurde  - bis heute nicht offiziell aber faktisch  - bei der Frage von staatlicher Unterstützung zu Grunde gelegt. So haben grundsätzlich alle deutschen Banken – auch unser Haus – die Möglichkeit, staatliche Unterstützung bei der SOFFIN, dem Sonderfinanzierungsinstitut der Bundesregierung, zu beantragen. Mit über 400 Mrd. Euro soll die Kreditwirtschaft über verschiedene Finanzhilfen gestärkt werden.
Jedes Haus kann Anträge auf Unterstützung stellen – Anspruch auf Unterstützung besteht jedoch nicht. Somit entscheiden SOFFIN und der Staat, wer in den Genuss der staatlichen Hilfen kommen darf. So illustre Namen wie IKB oder Commerzbank, denen die Wirtschaftskrise voll in die Übernahme der Dresdner Bank hagelte, gehören zu den Begünstigten. Nicht auszudenken, wenn die Wirtschaft keinerlei Kredite für die Expansion erhielte und die Sparer wegen der Bankpleiten ihre Spargroschen verlieren würden.

Dass die allgemeine wirtschaftliche Situation nicht berauschend ist und dass gerade die Banken mit besonderen Problemen zu kämpfen haben, ist mittlerweile hinreichend auch dem fachfremden Publikum bekannt.
Neben diesen Belastungsfaktoren hatte SCHNIGGE im letzten Jahr ureigene Probleme zu verarbeiten.

Fangen wir mit dem Bereich Shark Trading an – ein Thema, von dem sich SCHNIGGE eine notwendige Diversifizierung und Verringerung der Ertragsabhängigkeit vom klassischen Wertpapierhandel versprach. Auf der letzten Hauptversammlung vorgestellt, sollte Shark Trading möglichst permanente Einnahmeströme realisieren, selbst wenn die Handelstätigkeit an der Börse im Rahmen der klassischen Skontroführung zum Erliegen gekommen wäre. Die Idee, die hinter Shark Trading stand: Rechtzeitig vor einem Abflauen der Börsenkonjunktur sollte ein weiteres Standbein die Abhängigkeit vom reinen Wertpapierhandel verringern. Über eine Kooperationsbank sollten Kunden Orders im Bereich des Modeproduktes CFD ausführen. Mit jeder Transaktion hätte SCHNIGGE dann einen Anteil an der Provision erhalten, selbst wenn der Umsatz nicht über ein von SCHNIGGE betreutes Orderbuch erfolgt wäre.

Der Zeitpunkt für den Start des Shark Tradings war jedoch mehr als unglücklich – sollte dieses Produkt wie bereits ausgeführt vor einem Abflauen des Handelsinteresses an den Börsen eingeführt werden, so hat sich die Geschäftsaufnahme in der Realität jedoch so weit verzögert, dass wir mit dem Angebot genau in der Krisenphase auf den Markt kamen. Folgerichtig blieb der Geschäftserfolg denn dann auch aus – es wurde über Werbung, Veranstaltungen und Messen Kundenakquise betrieben, die jedoch keinerlei Erfolg zeigte. In der Realität kam das Projekt über eine echte Friends & Family Phase nicht hinaus.

Bereits im Vorjahr hatten wir angekündigt, immer wieder neue Wege beschreiten, aber keine unwägbaren Risiken eingehen zu wollen. Dementsprechend haben wir seit Februar 2008 regelmäßig den Geschäftsbereich Shark Trading auf wirtschaftliche Sinnhaftigkeit überprüft. Als auch die IAM
( Internationale Aktionärs Messe ) in Düsseldorf keinen Erfolg bei der Kundengewinnung gezeigt hat, beschloss der Vorstand, hier keine weiteren Investitionen zu tätigen. Da auch zu Beginn des Geschäftsjahres 2009 keine realistische Chance auf ertragreichen Betrieb des Shark Tradings mehr gesehen wurde und selbst bei massiven Marketingaufwendungen nicht gewährleistet war, dass SCHNIGGE ausreichende Kunden gewinnen könnte, wurde dieser Geschäftsbereich komplett eingestellt und die Kooperation mit der dänischen SAXO Bank beendet.

Wesentlich mehr wurde SCHNIGGE allerdings durch den Schadensfall im Bereich Gamma Trading belastet. Hierbei handelt es sich um den Handelsbereich, bei dem Aktienpositionen durch gegenläufige Optionspositionen abgesichert sein sollten. Dieser Handel sollte „deltaneutral“ von einem in diesem Bereich erfahrenen Händler durchgeführt werden, d.h. keine Positionsrisiken sollten eingegangen werden. Diese Vorgaben wurden jedoch nicht durchgängig eingehalten, so dass es zu einem Verlust von 2,25 Mio. Euro kam. Unverzüglich nach Aufdeckung wurden diese Positionen geschlossen, der Geschäftsbereich beendet und der zuständige Händler von seinen Aufgaben entbunden. Dass der durch diesen Handel verursachte Verlust keine gravierendere Belastung für die Gesellschaft bedeutete, lag vor allem an der Tatsache, dass im letzten Jahr der Fonds für allgemeine Bankrisiken über fast die gleich hohe Summe dotiert wurde. Damals wurde dieser Fonds gebildet, um die Risiken der Positionsführung durch entsprechende Rücklagen absichern zu können. Durch die Auflösung des Fonds für allgemeine Bankrisiken konnte der Verlust aus dem Gamma Trading fast vollständig ausgeglichen werden.

Dass das Geschäftsjahr 2008 dennoch glimpflich verlief, ist zwei Umständen zu verdanken:
Einerseits hat SCHNIGGE zum November 2009 die betreuten Wertpapiere in der Skontroführung an der Börse Frankfurt wesentlich ausweiten können. Durch die Übernahme des Geschäftsbetriebes der Concord Financial Intermediary GmbH, Frankfurt, konnte der Marktanteil der betreuten Wertpapiere in Frankfurt von knapp zwei Prozent auf nunmehr knapp acht Prozent aufgestockt werden. Unter den aktuell betreuten Wertpapieren finden sich Aktien der Deutschen Bank, TUI oder Hamburger Hafen, so dass wir in den ersten Monaten seit der Übernahme bereits mit dem Ergebnis durch die erworbenen Skontren sehr zufrieden sind.

Hauptursache für das im Vergleich zu anderen Banken moderate Minus ist jedoch der Fondshandel, der mit einem fulminanten Schlussspurt für hervorragende Erträge gesorgt hat. Nach monatelanger Umsatzflaute führte die zum 01.01.2009 startende Abgeltungssteuer gerade bei Fondsanlegern zu einer Art Torschlusspanik und damit zu hohen Umsätzen für SCHNIGGE in den letzten drei Wochen des Jahres 2008. Viele Anleger deckten sich mit Fondsanteilen ein, die somit noch nach dem alten Recht zu versteuern waren.
Beflügelt von dieser steuerlich verursachten Sonderkonjunktur stiegen auch die Erträge der Gesellschaft und sorgten damit für ein aus Sicht des Vorstandes versöhnliches und erträgliches Ende des Krisenjahres 2008.

Ein allgemeines Krisenjahr zu überstehen, gelingt sicherlich vielen Unternehmen. Sich auf ändernde Marktgegebenheiten und länger anhaltende Krisen einzustellen, dagegen nicht Jedem. Daher wird das laufende Jahr 2009  wieder mit besonderen Herausforderungen für unser Unternehmen verbunden sein. Es gilt, sich in einer ändernden Börsenlandschaft rechtzeitig und erfolgreich zu positionieren, bei entsprechenden Neustrukturierungen z.B. auch an der Börse Frankfurt die Fortsetzung der ertragreichen Skontroführung unter geänderten Systemvoraussetzungen zu realisieren und die allgemeinen Herausforderungen der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise zu meistern.

Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang ausdrücklich unseren Mitarbeitern. Das Börsengeschäft und deren Erträge sind wesentlich abhängig von dem persönlichen Engagement und den Markteinschätzungen der Händler. Gerade in Krisensituationen kommt der Erfahrung und der Motivation der Angestellten eine große Bedeutung zu. Daher freut es uns, dass die Mitarbeiterfluktuation bei SCHNIGGE äußerst gering ist und alle Mitarbeiter signalisiert haben, die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam mit unserer Gesellschaft anzugehen.
 
Weitergehende Informationen vor allem zu den Zahlen des vergangenen Jahres wird Ihnen nun mein neuer Kollege, Herr Martin Liedtke, geben, der dabei die Gelegenheit nutzen wird, sich Ihnen vorzustellen.

Ich wünsche allen Teilnehmern einen harmonischen und konstruktiven Verlauf dieser Hauptversammlung und freue mich auf die spätere Diskussion mit Ihnen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Düsseldorf, den 24. Juni 2009

Florian Weber